Loyalität

Wearables, also am Körper getragene Elektrogeräte sollen das “next big thing” in der an Smartphones übersättigten Technikbranche werden. Die kleinen Helferlein, zu deren prominentesten Vertretern Googles Datenbrille Google Glass und Apples Armbanduhr iwatch zählen, sollen die Technik noch enger in den Alltag integrieren, die Interaktion noch komfortabler machen und, natürlich, neue Absatzmärkte schaffen. Nachdem man die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und die begeisterte Aufnahme von Smartphones durch den Konsumenten erfahren hat, möchte man ihn mit noch tragbarerer Technologie verwöhnen, etwa Uhren, die mit dem Handy kommunizieren, Fitnessarmbänder, Brillen, die aktuelle Informationen zeigen, Gesundheits-Gadgets, die Blutdruck und -zucker messen etc. (Hier muss angemerkt werden, dass die allermeisten dieser Ideen nicht halb so neu sind, wie sie gerne Präsentiert werden. Vor allem im Fitness- und medizinischen Bereich sind Wearables – natürlich nicht unter diesem Namen, schon längst Gang und Gäbe. Sportuhren mit Pulsmessung und GPS zur Auslese am PC gibt es sicher schon seit zehn Jahren und in der Medizin sind tragbare Geräte, zum Beispiel zur Langzeitüberwachung des schlaf- oder Atemverhalten auch schon länger im Einsatz. Natürlich wird der Einsatz durch die (echtzeit-)Verbindung mit dem Smartphone einige Vorteile bringen, aber ob diese genügen wissen selbst Experten nicht.

Das große Thema auf der Technologiemesse south by southwest waren nicht nur Gadgets, sondern vor allem deren Vermarktung an ein weniger technophiles Publikum, das jenes, das da debattierte. Wie kann man den Normalverbraucher davon überzeugen, dass er Google Glass kaufen soll? Neben einigen Kinderkrankheiten, die sich hoffentlich in den nächsten Jahren noch auswachsen, wie etwa das Problem der einfachen und sicheren Verbindung von Gadgets mit dem Smartphone und dem bequemen aufladen, ohne abends 5 verschiedene Minicomputer an die Steckdose hängen zu müssen, gibt es auch ein weiteres. Wie gewinne ich das Vertrauen der Konsumenten für mein Gadget? Die seit der NSA-Affäre immer mehr aufkommende Verunsicherung im Umgang mit Daten und deren Auswertung muss gerade dann adressiert werden, wenn die Technologie, und damit die Datensammlung noch weiter in den Alltag eindringen soll. Dieses Problem bestand bei der Markteinführung von Smartphones noch nicht und der Markt konnte sich so innerhalb weniger Jahre sättigen, aber bei Wearables könnte dies anders sein. Daran, dass Google, Apple und Facebook schon jetzt wissen können, wo sich ihre Konsumenten derzeit aufhalten, haben sich die meisten nach dem ersten Schock bereits gewöhnt, aber möchte ich wirklich, dass sie auch sehen, was ich sehe? Oder dass der Zustand meines Herzkreislaufsystems nicht nur an meinen Arzt geschickt wird, sondern auch von Pharmafirmen erworben und weiterverarbeitet werden kann? Schon jetzt erkennt man, dass diese Bedenken, wenn schon nicht unbedingt vom Träger, so zumindest von Beistehenden geteilt werden. Google Glass hat in dieser Hinsicht in der letzten Zeit immer wieder von sich reden gemacht, weil Mitmenschen sich von der Kamera beobachtet gefühlt haben und nicht wollten, dass Daten von Ihnen ohne weitere Zustimmung gesammelt werden können. Nachdem es sogar schon zu Schlägereien kam hat Google nun einen Verhaltenscodex für die Träger seines Flaggschiffes herausgegeben. Allein, dies wird nicht reichen um das Vertrauen der Kunden zu bekommen, denn es greift das Problem nicht an der Wurzel an.

Computer, Smartphones und Gadgets haben den Ruf weg, Plaudertaschen zu sein und hinter dem Rücken ihrer Besitzer nach Hause zu telefonieren. Sie sind wie Spione, die derzeit nur deswegen geduldet werden, weil es keine Alternativen zu Ihnen gibt. Duldung ist jedoch auf keinen Fall eine Vertrauensbekundung und man sollte sie nicht mit Akzeptanz verwechseln. Nur wer es schafft, das Vertrauen in Smartphones und die Datensammelpraxis seiner Firma herzustellen, wird es auch schaffen, die Kunden von seinen Wearables zu überzeugen.

Damit das gelingt muss die Technologie von morgen ein für sie neues Konzept lernen: Loyalität. In diesem Fall bedeutet das eine transparente, anpassbare und grundsätzlich verschwiegene Datenpolitik einzuführen, in der der Konsument die erste Hoheit über seine Daten hat und umfassend darüber entscheiden darf, wie seine Daten weiter verwendet werden. Welche Technologie er auch immer in sein Leben lässt muss auf alle Fälle zuerst dazu verpflichtet sein, seinen Wünschen und Bedürfnissen zu folgen und erst dann seinem Hersteller zu dienen. Anders als bei Gratisdiensten wie Facebook und Google hat der Kunde für Hard- und dazugehöriger Software mit Geld bezahlt und sollte daher keine versteckten Kosten haben, die ihm in Form von Datenabschöpfung in Rechnung gestellt werden.

Warum? / Why?

Hallo,

mit diesem Beitrag möchte ich mich gerne vorstellen. Ich heiße Tjark Müller und befinde mich in der Schlussphase meines Studiums. Warum gerade ich einen Blog zu einem Thema starte, welches eher in der Informatik angesiedelt ist? Weil ich mich in den letzten 2 Jahren intensiv mit der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine auseinander gesetzt habe. Es hat mich wirklich fasziniert, wie viele grundlegende Probleme der Psychologie von diesem Thema berührt werden. Die Frage, was “Geist” überhaupt ist, zum Beispiel, oder ob es überhaupt Sinn macht, ihn vom Körper zu trennen. Wo dieser Körper aufhört und die Umwelt (oder ein Werkzeug) beginnt. Ob sich das Phänomen der Intelligenz in einer Maschine replizieren lässt und wie man mit einer intelligenten Maschine umgehen soll.

Das Gebiet der Mensch-Maschine-Interaktion sollte nicht nur ein Gegenstand der Informatik oder Ergonomik sein, denn es grenzt an so viele andere Disziplinen. Cognitive (Neuro-)Science, Ingenieurpsychologie, Kunst und Design, Kommunikations- und Medienwissenschaften, Rechtswissenschaften, Medizin, Big Data und Netzwerkanalysen und viele andere Gebiete können wertvolle Einsichten zu dem Thema beitragen.

Mit diesem Blog möchte ich meine bisherigen Erkenntnisse, Ideen und Spekulationen mit der Welt teilen und hoffe auf spannende Diskussionen und anregenden neuen Input von Ihnen.

 

Hello,

with this first post I want to introduce myself. My name is Tjark Müller and I’m currently in the final term of my psychology study. Now, why do I intend to start a Blog on this topic, which is much more associated with informatics than with any other field? Because I spend the last two years grappling with the interface between man and machine. It was (and is) really fascinating to me, how many basic problems of psychology are related with this topic. E.g. the question, what the term “mind” actually means or if it even make sense to separate it from “body”. Or where does this body end and where begins the environment (or a tool/machine)? Or: Is it possible to replicate the phenomenon of intelligence in a machine and, if yes, how one should treat it.

The field of human-machine-interaction shouldn’t be only a topic to computer science or ergonomics, because there are so many other adjacent disciplines. Cognitive (neuro-)science, engineering psychology, art and design, communication and media sciences, jurisprudence, medicine, big data and network analytics and many other fields may fruitfully contribute to this field.

On this Blog, I want to share my thoughts, insights and speculations with the world and hope for interesting discussions and exciting new input from you.

 

PS: As you may have noticed, I am not a native speaker and if you notice any mistakes, I would be glad if you could mention them so I can improve my skills and the quality of the blog.

exploring the human machine interaction